Ausgabe 26 vom 2. November 2000

Viele Partner für den Mittelstand
Zahlreiche Anbieter haben sich mit ERP-Software auf die Bedürfnisse des Mittelstands spezialisiert. Die richtige Lösung lässt sich finden.

    Wenn sich ein mittelständisches Unternehmen entscheidet, eine Software zum Enterprise Resource Planning (ERP) einzuführen, können die Verantwortlichen aus dem Vollen schöpfen. Zahlreiche Hersteller von ERP-Lösungen haben sich ausdrücklich auf den Mittelstand als Kundenkreis spezialisiert.
Lichtblick:
Seit der Einführung von Navision Financials bei Velleuer können sich die Mitarbeiter von Rainer Müller um die wichtigen Dinge des Arbeitsalltags kümmern.

Foto: Campo

    So glaubt beispielsweise ERP-Anbieter Bäurer ein Produktportfolio zu haben, das »exakt auf die Bedürfnisse des Mittelstandes ausgerichtet« ist. Konkurrent Brain sieht sich als einen »starken Partner für mittelständische Unternehmen«. Command ist ebenfalls ein »Partner für den Mittelstand«, was Navision leider nicht sein kann, weil der dänische Anbieter seine Lösung nur über Software-Häuser vertreibt. Allerdings versichert Jesper Bowman, Geschäftsführer von Navision Deutschland, dass »selbstverständlich unsere Partner die Partner des Mittelstands« sind. Das sieht Steeb, eine hundertprozentige Tochter des ERP-Weltmarktführers SAP, allerdings anders. Steeb ist nämlich überzeugt: »Als mittelständisches Systemhaus sind wir der richtige Partner für Kunden aus der mittelständischen Wirtschaft.«

    Das sind aber noch längst nicht alle ERP-Anbieter, die sich auf mittelständische Kunden spezialisiert haben: Unter anderem gibt es beispielsweise noch Abas, Damgaard, Infor, Psipenta, Softmatic oder Soft M. Und selbst die Großen der ERP-Branche wie J.D. Edwards, Oracle, Peoplesoft oder SAP haben den Mittelstand als Kunden entdeckt und schnüren entsprechende Pakete, um diese Zielgruppe zu überzeugen (siehe Bericht 21/99).

    Trotzdem glaubt beispielsweise Rainer Müller, kaufmännischer Geschäftsführer der Federfabrik Velleuer, dass etwa die ERP-Software R/3 von SAP eher für Großkunden geeignet ist. Als Mittelständler sei Velleuer aber auf der Suche nach etwas anderem gewesen. Das Unternehmen aus Velbert hat sich schließlich für die Lösung Navision Financials des dänischen Herstellers Navision entschieden. »Uns hat besonders das Preis-/Leistungsverhältnis gefallen«, begründet Müller die Wahl. Im Oktober 1998 ging die Version 2.0 in Echtbetrieb,
Durchblick:
Dank Frida von Command konnte Franz Willig von Sprimag Einzelsysteme abschaffen und eine übersichtliche, integrierte Datenlandschaft mit schnelleren Prozessen realisieren.

Foto: Busch
Mitte Oktober dieses Jahres wurde auf das Release 2.6 umgestellt. Angetan sind die Velleuer-Verantwortlichen auch von der Vertriebsmethode Navisions. Der Software-Hersteller hat über 120 Solution-Partner in Deutschland, die vor Ort die Implementierung und Wartung der ERP-Lösung übernehmen. So soll auf die speziellen Bedürfnisse der jeweiligen Kunden eingegangen werden.

    Bevor Navision Financials eingeführt wurde, war bei Velleuer ein altes Comet-System von Siemens-Nixdorf im Einsatz. Das lief zwar zuverlässig, allerdings sprach gegen die Comet-Lösung, dass es laut Müller keine gravierenden Neuentwicklungen mehr gegeben habe. Außerdem sei beispielsweise auch eine schnelle Datenauswertung nicht möglich gewesen. Ein weiterer wichtiger Grund für den Umstieg war die anstehende Euro-Umstellung.

    Auch bei der Sprimag Spritzmaschinenfabrik war es nötig, alte Systeme zu ersetzen. Das mittelständische Unternehmen aus dem schwäbischen Kirchheim unter Teck entschied sich deshalb 1998, eine ERP-Lösung einzuführen. Um aus der großen Auswahl an möglichen Systemen die richtige herauszupicken, hat Franz Willig, Geschäftsleitung Administration bei Sprimag, Software-Anbieter in sein Unternehmen eingeladen und sich in eintägigen Workshops die jeweiligen Programme präsentieren lassen. Die Verantwortlichen der Spritzmaschinenfabrik entschieden sich schließlich für Frida, eine ERP-Lösung von Command, weil »wir eine Software wollten, die zu uns passt, die über die notwendige Funktionalität verfügt und ausgereift ist«, so Willig.

    Trotz dieses Lobes musste die seit Januar dieses Jahres eingesetzte Frida-Version 5.1 allerdings für die besonderen Anforderungen bei Sprimag erweitert werden. Auf diese Weise entstand unter anderem die Möglichkeit einer mitlaufenden Kalkulation für eine durchgängige Projektentwicklung – eine Funktion, die für den Auftragsfertiger Sprimag sehr wichtig ist.

    Im neuen Frida-Release 5.2 soll dieses Feature integriert sein (siehe Bericht 24/00). Neben der mitlaufenden Kalkulation als Standard gibt es laut Willig noch andere Gründe, warum Sprimag möglichst schnell auf das Release 5.2 umrüsten will. So seien für das Unternehmen die Integration von Lotus Notes und eine neue Anwendung zur Liquiditätsplanung ebenfalls interessant, erklärt der Geschäftsleiter.

Im Vergleich
Velleuer Sprimag Spritztechnik
Das Unternehmen: Velleuer aus Velbert produziert Federn, Stanz- und Biegeteile. Die 150 Mitarbeiter des Unternehmens fertigen hauptsächlich für die Automobilindustrie. 1999 wurden 25 Millionen Mark umgesetzt. Das Unternehmen: Sprimag liefert vollautomatische Anlagen für Oberflächen- und Innenbeschichtung. Das 1925 gegründete Unternehmen aus Kirchheim/Teck hat 170 Mitarbeiter und erwirtschaftet 55 Millionen Mark im Jahr.
Das Projekt: Die kaufmännische Komplettlösung Comet von Siemens-Nixdorf sollte durch ein datenbankorientiertes Client/Server-Modell ersetzt werden. Das Projekt: Zahlreiche Einzelsysteme mit vielen Schnittstellen sollten durch eine integrierte Komplettlösung abgelöst werden. Sprimag legte Wert auf eine ausgereifte Technik.
Der Ansatz: Im Oktober 1998 wurde die ERP-Lösung Navision Financials eingeführt. Seit Mitte Oktober ist das Release 2.6 im Einsatz. Ein Solution-Partner wartet die Lösung. Der Ansatz: Seit Januar dieses Jahres wird beim Mittelständler die ERP-Lösung Frida von Command eingesetzt. Ausschlaggebende Faktoren waren Zuverlässigkeit und Funktionalität.
Die Zwischenbilanz: Velleuer ist zufrieden. Das Preis/Leistungsverhältnis stimmt. Besonders die Arbeit des Solution-Partners GOB verhalf dem Projekt zum Erfolg. Die Zwischenbilanz: Seit der Einführung wird Zeit gespart. Prozesse haben sich beschleunigt. Für die besondere Anforderungen wurden Erweiterungen programmiert.

    Die Gründe, warum sich Sprimag und Velleuer für Command beziehungsweise Navision entschieden haben, verdeutlichen die Prioritäten des Mittelstandes, wenn es um Informationstechnologie geht. An vorderster Stelle steht nicht unbedingt die technische Führerschaft der eingesetzten Produkte, sondern Zuverlässigkeit, Reife, Preis und enger Kontakt zum Hersteller oder Solution-Partner. Relativ wartungsarme Systeme, die über die notwendigen Funktionen verfügen und möglichst preisgünstig sind – das sind die Vorgaben aus dem Mittelstand.

    Während Großkonzerne wie Daimler-Chrysler oder Siemens Milliardenbeträge in konzernweite und unternehmensübergreifende E-Business-Initiativen investieren wollen (siehe Bericht 24/00, Siemens und Daimler-Chrysler), haben die meisten Mittelständler ganz andere Sorgen. Die IT-Abteilungen der Firmen sind klein und das Geld ist knapp. Themen wie E-Commerce stehen da ganz hinten auf der Liste. Das verdeutlicht auch eine Studie der Deutschen Genossenschaftsbank, bei der fast 2500 Inhaber, Geschäftsführer und leitende Angestellte mittelständischer Unternehmen telefonisch zum Thema E-Commerce und Internet befragt wurden. 22 Prozent der befragten Firmen gaben an, bisher noch gar nicht mit dem Internet verbunden zu sein.

ow