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| COMPUTERWOCHE Nr. 36 vom 08.09.2000
Seite 61-65 |
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Mobile Devices
ERP-Integration lässt zu wünschen
übrig Seit Verfügbarkeit der WAP-Handys
stehen die Schlagworte "Mobile IP" und "Drahtloser
Internet-Zugang" bei Internet-Service-Providern und
Carriern hoch im Kurs. Sie wollen über mobile Portale
Firmenmitarbeiter und Privatkunden zielgenau
informieren. Auch große Softwarehäuser entwickeln ihre
ERP-Produkte in diese Richtung. Doch hakt es an allen
Ecken und Enden. Berthold Wesseler* skizziert Themen,
Szenario, Produkte und Akteure dieses bewegten
Marktes.
Die Vision klingt viel
versprechend: Der mobile Kompagnon Handy, Notebook oder
PDA (Personal Digital Assistant) als ständiger Begleiter
verschafft dem Mitarbeiter unabhängig von Zeit und Ort
den Zugriff auf die Daten und Anwendungssysteme seines
Unternehmens: Der "Mobile Worker" in der Fimenumgebung
(siehe Grafik auf Seite 62) hat damit seinen
Schreibtisch "virtuell" immer dabei; der Kompagnon
liefert ihm die gleichen Funktionen wie sein Desktop im
Büro.
Nicht nur die Arbeitsabläufe an größeren
Standorten lassen sich so optimieren, wenn "Experten"
auf dem Firmengelände überall online sind. Man denke
beispielsweise nur an Ärzte bei der Visite im
Krankenhaus. Das gilt auch für die Projektarbeit von
solchen Teams, deren Mitglieder den Großteil ihrer Zeit
außerhalb des Büros verbringen. Für
Kundendienstmitarbeiter und Servicetechniker ergeben
sich ebenso große Arbeitserleichterungen wie für
Spediteure, Manager oder Verkäufer.
Die Visionen
reichen bis hin zu "Location Based Services", die orts-
oder auch personenspezifische Informationen anbieten,
beispielsweise Routenplaner, Fahrpläne, Branchenbücher,
Veranstaltungskalender, Hotel- oder Restaurantführer.
Erste Prototypen gibt es bereits, beispielsweise von der
US-Firma Air Flash. Und nicht nur Mitarbeiter, auch
Kunden und Lieferanten können sich so künftig von
überall aus in die Unternehmensnetze und
Anwendungssysteme einwählen. Die Rede ist von Mobile
Commerce (M-Commerce).
Die Technologie bildet
die Grundlage für "Hoteling", aber auch eine neue
Variante der Mobile Work, bei der Fachkräfte den
Arbeitsplatz im Büro gemeinsam nutzen können. So lassen
sich die insgesamt erforderlichen Büroflächen
reduzieren, ohne große Einschränkungen in der
Produktivität oder beim persönlichen Komfort am
Arbeitsplatz hinnehmen zu müssen. Solche Konzepte sind
bei Firmen wie IBM oder dem Sparkassen-Rechenzentrum DVG
Hannover bereits gelebte Praxis. Letztlich werden so
Grenzen der Firmenwelt durch die Arbeit von zu Hause aus
oder das Telecommuting bis in die private Wohnumgebung
verschoben.
Die Anzahl der Beschäftigten, die an
einem Arbeitsplatz außerhalb des Unternehmens arbeiten,
steigt ständig. In ihrer Umfrage "GSM Mobile Internet in
Europe: A New Start for Cellular Data" stellte die
Yankee Group fest, dass bei 47 Prozent der befragten
Unternehmen bereits mehr als zehn Prozent ihrer
Mitarbeiter mobil tätig sind. Die Marktforscher gehen
davon aus, dass die Mobilfunkanbieter ihre Einnahmen aus
der Übertragung von Daten und Services von zwei
Milliarden Dollar, die 1998 vor allem mit Versenden von
Kurznachrichten umgesetzt worden sind, um das 16-fache
auf 36,4 Milliarden Dollar im Jahr 2003 steigern werden.
Klassische Rechner in Frage gestelltDie immer
stärkere Ausdehnung der Firmenumgebung erfordert sowohl
personelle als auch strukturelle Flexibilität. Vor
diesem Hintergrund muss sich der DV-Chef fragen: Mit
welchem Endgerät werden die Mitarbeiter ausgestattet?
Über welche Netze erhalten sie Zugang zum Corporate
Network beziehungsweise Zugriff auf die zentralen
ERP-Anwendungen? Welche Funktionalität über die
Standards Messaging, Adressbuch, Aufgabenliste und
Kalender hinaus stehen ihnen zur Verfügung - und welche
Daten? Und unter welcher Oberfläche?
Die
Antworten sind nicht leicht, zumal nicht nur Firmen mit
verräterischen Namen wie Yourwap oder Internet
Television Technologies die Zukunft des PC in Frage
stellen. Denn M-Commerce, Mobilfunk und andere Trends
könnten den klassischen Rechner am Arbeitsplatz und zu
Hause auf Sicht durchaus überflüssig machen.
Die
Entscheidung, welche Mobile-Client-Plattform sich am
Markt durchsetzen wird, ist noch lange nicht gefallen.
Neben Microsofts Windows und "Windows powered for Pocket
PC" (vormals Windows CE) sind vor allem das
Multitasking-fähige PDA-Betriebssystem Epoc und die
Java-Plattform zu nennen. Aber auch das äußerst populäre
Open-Source-Betriebssystem Linux könnte künftig eine
Rolle spielen; es wurde von einem Compaq-Entwicklerteam
erfolgreich auf den I-PAQ portiert, von IBM im Labor
sogar auf eine intelligente Armbanduhr.
Nur
eines scheint gewiss: Eine Mehrgerätelösung ist zu
umständlich und zu teuer, umso mehr, wenn das Gerät ein
Provisorium ist. Also ist eine möglichst
Endgeräte-unabhängige Lösung vorteilhaft. Unabhängigkeit
schafft die Entwicklung der Client-Anwendungen mit
flexiblen Entwicklungsumgebungen, wie sie Firmen wie
Centura, IBM oder Sybase heute anbieten.
Auch
Java-Entwicklungsumgebungen dürften eine Alternative
sein; nicht zufälligerweise hat Psion angekündigt, im
nächsten Jahr den ersten PDA mit integrierter Java
Virtual Machine auf den Markt zu bringen. Als Groß-PDA
verfügt es erstmals über eine vollwertige
VGA-Bildschirmdarstellung und eine Tastatur im
Standard-Qwertz-Layout, ist also
"Standard-Browser-kompatibel".
Die aktuellen
Produktankündigungen von Handy-Anbietern wie Nokia,
Ericsson oder Motorola, aber auch die PDAs von Palm,
Psion oder Compaq machen deutlich, wohin die Reise geht.
Compaqs I-Paq bietet E-Mail und Web-Zugang,
Textverarbeitung und Tabellenkalkulation in einem Gerät,
das sich bequem mit einer Hand halten lässt. Ab dem
vierten Quartal will Compaq dann auch Zusatzmodule für
die Mobilkommunikation (mit GSM und GPRS) bieten.
Handy oder PDA als KompagnonAuch Palm Inc. will
seine komplette Produktfamilie mit Wireless Connectivity
ausstatten und so in die Lage versetzen,
Internet-Verbindungen herzustellen. Dazu soll es eine
eigene Schnittstelle und auch ein Bluetooth-Modul für
den indirekten Zugang, beispielsweise über ein Handy,
geben. Solche nützlichen Verbindungen zwischen Handy und
PDA sind auch über Infrarot-Schnittstellen (IRDA) oder
über Kabel möglich, oft aber gerätespezifisch.
Bei der Connectivity haben naturgemäß die
WAP-Handys, basierend auf dem "Wireless Application
Protocol", wie das für Anfang 2001 angekündigte Ericsson
R520m ihre Vorteile. Dieses Gerät beherrscht neben GSM
und GPRS (General Packet Radio Services) auch das
ebenfalls als Übergangslösung auf dem Weg zu UMTS
(Universal Mobile Telecommunications System)
angekündigte HSCSD (High Speed Circuit Switched Data).
Solche Übertragungstechnologien machen es Motorolas
Hightech-Handy Timeport P7389i möglich, auch während des
Surfens oder E-Mail-Empfangs Anrufe entgegenzunehmen.
Philips und andere Mobiltelefonhersteller arbeiten an
sprachaktivierten Browser-Technologien, die ein
"Freihand-Browsing" ermöglichen sollen. Allerdings ist
es bei den meisten Handys schwierig, sie um spezifische
Applikationen zu ergänzen, was ihre Einbindung in
ERP-Systeme erschwert.
Während die neuen
Hardwarebegleiter den Internet-Zugang quasi technisch
ermöglichen, erlaubt eine zusätzliche Dienstleistung die
Auffahrt ins (mobile) Internet:
Telekommunikationsunternehmen und Internet-Service
Provider (ISP) bringen den Mitarbeiter ins Internet, wo
er zum Beispiel zunächst in einer Eintrittshalle, einem
so genannten Portal, landet; das kann die virtuelle
"Eingangshalle" seines Unternehmens sein.
Die
Basis für die Verbindung dorthin liefern
unterschiedliche Netze. Wireless-Technologien wie GSM,
GPRS, HSCSD und UMTS, dazu noch Festnetzdienste wie
ISDN, XDSL und analoge Telefonleitung - die
Verbindungsmöglichkeiten für den Mobile Worker sind
vielfältig. Eines dieser Netze wird er nutzen, wenn er
seine "Dateninsel" verlassen will und im
Unternehmensnetz online geht. Dazu bieten sich zur Zeit
zwei Wege an: die WAP-Dienste der
Internet-Service-Provider und maßgeschneiderte
Unternehmens-Applikationen, meist auf Basis von SMS-,
Groupware- beziehungsweise E-Mail- oder speziellen
Middleware-Systemen wie IBM MQ-Series. SMS hat den
Vorteil, dass es kostengünstig ist und für einfache
Anwendungen wie Alarmierung auch ganz normale Handys
einbindet.
Als dritter Weg zeichnet sich die
Einführung von Standardmodulen der großen ERP-Anbieter
wie SAP, J.D. Edwards, Peoplesoft, Oracle oder Intentia
ab, die mittlerweile den Bedarf erkannt und
entsprechende Entwicklungen aufgenommen haben. Darüber
hinaus kristallisieren sich neben gerätespezifischen
Verfahren und nützlichen Tools wie Truesync der Firma
Starfisch auch Standards für die Datensynchronisation
heraus, allen voran Sync ML, das die universale
Online-Synchronisation von Daten über alle Geräte und
Netzwerke erlauben soll.
Als einer der Vorreiter
unter den ERP-Anbietern hat die schwedische Intentia,
Lieferant des ersten Java-basierenden ERP-Systems Movex
Next Gen, neben dem Web Explorer genannten Thin-Client
für mobile Anwender auch einen WAP-Zugang zu ihrer
Geschäftssoftware bereitgestellt. Darüber können
ebenfalls Außenstellen oder Verkaufsautomaten angebunden
und Transaktionen direkt im Movex-System platziert
werden. "Als erste Branchenlösung wird Service and
Rental mit WAP-Unterstützung ausgestattet", berichtet
Jan Nilsson, Geschäftsführer der Intentia Deutschland.
"Vermietungsgesellschaften können so vom Einsatzort aus
aktuelle Statusinformationen abrufen sowie den
Reparatur- und Servicebedarf oder andere wichtige Daten
mobil und real-time an die zentrale Unternehmenssoftware
übermitteln."
Auf der Netzseite heißt dieser
Trend zur Mobilität: Mit dem Umfang wächst auch die
Notwendigkeit für das Unternehmen, die Kommunikation mit
Mobile Workern, dezentralen Büros und kleineren
Niederlassungen zu integrieren - und zwar über die
LAN/WAN-Daten- und PBX-Voice-Netzwerke. Traditionell
verwenden die Beschäftigten eines Unternehmens ihr
Mobiltelefon für die Sprachübertragung und das
firmeneigene Datennetz für E-Mail und sonstige
Datenübermittlungsanwendungen.
Heutzutage aber
bieten fast alle Mobiltelefone auch eine Form von
Datenübertragung. Diese beiden Trends - wachsende
Nutzung im Unternehmen und steigendes Datenvolumen -
bedeuten, dass Unternehmen nach Wegen suchen müssen, um
ihre öffentlichen Mobilfunknetze (GSM), öffentlichen
Sprachübermittlungsnetze (PBX) und die firmeninternen
Datenübermittlungsnetze (LAN) einheitlich zu nutzen.
Hierbei helfen Migrationspfade wie die
Siemens-Architektur HiPath, die konventionelle
Telefon-Standleitungsnetze mit modernen IP- und
ATM-Netzen verschmilzt und so eine einheitliche
Plattform für neue Kommunikationsanwendungen schafft.
Auch Alcatel, Nortel und Lucent (mit dem jüngst
vorgestellten E-Communication-Modell) zielen in die
gleiche Richtung.
Internet-Protokoll sollte
verbessert werdenDie gemeinsame Plattform für die neuen
Anwendungen liefert das Internet-Protokoll IP. Doch der
Weg zu Diensten mit akzeptablen Leistungsmerkmalen ist
noch lang, warnt nicht nur das Beratungsunternehmen
Ovum. In einer aktuellen Studie kritisieren die
britischen Marktforscher, dass ohne substanzielle
Verbesserungen des Internet-Protokolls und der
Übertragungstechniken mobile Internet-Dienste Stückwerk
bleiben würden.
Eines der größten Hindernisse
sieht Ovum darin, dass mobile und leitungsgebundene
IP-Netze nur ungenügend integriert sind. So sei das "IP
Roaming", also das "Weiterreichen" eines Anwenders von
einem Service-Provider zum anderen oder vom Fest- zum
Mobilnetz, noch ein Wunschtraum. Doch gerade dieses
Feature sei die Voraussetzung dafür, dass der Nutzer an
jedem Ort auf seine gewohnten Services zugreifen könne.
Erst Anfang August haben sich die International
Telecommunications Union (ITU) und die Internet
Engineering Task Force (IETF) nach zähen Verhandlungen
auf den Standard H.248 geeinigt, zur Kontrolle der
Gateways für Sprach-, Video-, Fax- und Datenverkehr
zwischen IP- und Telefonnetzen. Damit ist es gelungen,
eine Schnittstelle zum Signalsystem des Telefonnetzes zu
schaffen, so dass auch ein normaler Telefonapparat
Anschluss an die IP-Netze erhält. Jetzt fehlen "nur"
noch die standardkonformen Produkte.
Die
Datenkommunikation stellt darüber hinaus völlig andere
Ansprüche an das Netz als Telefonate. Das Herunterladen
von E-Mail-Attachments und das Surfen im Netz sind eher
"bursty", also zufällig. Bedeutet Telefonieren meistens
eine minutenlange Verbindung, geht es für die Mobile
Worker meist um die Übertragung kurzer, jedoch
zahlreicher Pakete. Das macht normale Sprachkanäle in
den Zeiten zwischen den einzelnen Impulsen sehr
ineffizient. Dagegen sind während der Datenübertragung,
etwa beim Herunterladen einer Website, hohe Bandbreiten
erforderlich, die weit über den 9,6 KBit/s der
gegenwärtigen GSM-Netze liegen - Stichwort UMTS.
Die Entwicklung in Richtung mobiler
Datenübertragung erfordert ein Umdenken in der
Technologie, was zu einer Vielzahl unterschiedlicher
Lösungen führen könnte. Ein weiterer Schwachpunkt ist
nach Ansicht der Ovum-Analysten die geringe Bandbreite,
die in Mobilfunknetzen für IP-Services zur Verfügung
steht. Eine nachhaltige Besserung sei erst in einigen
Jahren durch Breitbandtechniken wie UMTS zu erwarten.
Dienste, die auf WAP oder SMS (Short Message Services)
aufsetzen, sehen die Experten nur als ersten Schritt in
Richtung mobiler IP-Services.
SMS und WAP nur
ÜbergangslösungenSo erfordert WAP noch Zusatz-Browser,
wie sie von Firmen wie Ezios oder Foliage entwickelt
worden sind. Auch die Connectivity-Experten sind
gefordert: Führende Anbieter wie Attachmate, Seagull
oder Netmanage stellen bereits WAP-Connectivity her.
Beispielsweise nutzt die NetManage eine Kombination der
Technologien HTML (Browser), XML und WML (Wireless
Markup Language, das WAP-Äquivalent zu HTML für
Mobiles), um Daten aus der Host-Applikation abzurufen.
Die Verbindung über ein zwischengeschaltetes
WAP-Gateway wird genau so hergestellt, wie die Anwender
ihr jeweiliges WAP-System sonst auch bedienen. Sobald
das Gateway passiert wurde, stellt WML eine Verbindung
zum WAP-Server her. Mit den so genannten "Active Server
Pages" kann dann im Host, zum Beispiel einem AS/400-,
Mainframe- oder Unix-System, navigiert werden. Neben
einer vergleichbaren Lösung hat Attachmate auch ein
Palm-Frame-System vorgestellt, das analog den
Host-Zugriff von Palm-Pilots oder Windows CE-kompatiblen
Handhelds aus gestattet.
Interessant ist in dem
Zusammenhang auch die Kooperation zwischen Psion und dem
Thin-Client-Spezialisten Citrix. Ziel ist es, die
Independant Computing Architecture ICA in die
Psion-Rechner zu integrieren und sie damit zu
vollwertigen Terminals von Windows- oder Unix-Servern zu
machen. Mit der Citrix-Technologie N-Fuse zur
Realisierung von Anwendungsportalen soll zudem der
Browser-Zugriff auf Unternehmensanwendungen möglich
werden, wobei der Administrator jedem Benutzer sein
individuell maßgeschneidertes Applikationsportal
einrichten kann.
Diese Beispiele zeigen: Mit der
Vielfalt der Endgeräte, Serverplattformen und Netze
droht die Komplexität zu explodieren. Wenn es über
E-Mail hinaus gehen soll, spricht außerdem gegen WAP und
SMS, dass letztlich neue Anwendungen (zumindest
"oberflächlich") erforderlich werden. Es droht also eine
"Zweiklassengesellschaft", die teuer im Unterhalt und
komplex in der Bedienung wird.
Wichtig: Mehr als
"Screen Scraping"Diese Anwendungswelten auf der
Source-Seite wieder zusammenführen können Anbieter
moderner Software-Entwicklungsumgebungen wie
beispielsweise das australische Softwarehaus Lansa Inc.,
das aus seiner Programmiersprache der Vierten Generation
(4GL) jetzt auch WML generieren kann. Das sei zwar
wichtig, doch bei der Einbindung mobiler Kleingeräte
komme es nicht nur auf "Screen Scraping" der heutigen
Applikationen an, so Michael Morley, Managing Director
von Lansa. Vielmehr müsse die komplette
Bedienerschnittstelle der Anwendung für Endgeräte wie
Pager oder WAP-Phones neu designed werden - sprich die
Anwendungen müssen eine neue Bedienoberfläche erhalten.
Wie so etwas aussehen kann, demonstrierte
ERP-Marktführer SAP mit der Bereitstellung des mySAP.com
Workplace zusätzlich über WAP, der gemeinsam mit Nokia
entwickelt worden ist. Gemeinsam wollen beide Firmen
laut SAP-Vorstand Peter Zencke "effiziente Lösungen zur
Integration WAP-fähiger Geräte in den mySAP.com Mobile
Workplace entwickeln", die mit Hilfe des WAP-Servers von
Nokia den bidirektionalen Zugriff auf die SAP-Software
und ihre Daten von überall aus erlauben.
Auch
für Lösungen rund um Customer-Relationship-Management,
Business Intelligence und
Strategic-Enterprise-Management plant SAP den Einsatz
der WAP-Technik von Nokia. Ziel sei es, Kunden und
Partner zu animieren, eigene "Mini Apps" für mobile
Geräte zu programmieren und so ihre
Außendienstmitarbeiter mit maßgeschneiderten
Internet-Anwendungen zu unterstützen.
Mini Apps
sind kleine Programme für den Client, die den Anwender
mit allen Anwendungen, Informationen und Services
versorgen, die für seine Tätigkeit lokal erforderlich
sind. Nachrichten aus dem Unternehmen, aktuelle
Absatzzahlen, Meldungen über bestimmte
Geschäftsereignisse, Informationen über Mitbewerber,
Reisekostenabrechnungen und E-Mail sind nur einige der
zahlreichen Bereiche, in denen Mini Apps eingesetzt
werden.
Allerdings: Sie erlauben nur den Zugriff
auf die SAP-Systeme von Nokia-Geräten aus, können also
nur ein Anfang sein. Trotz der Versprechungen und
Verlockungen der mobilen Datenkommunikation bleiben also
noch Fragen offen: Wie schnell können die Netzbetreiber
die Dienste aufnehmen, welche Technologien werden sich
durchsetzen und vor allem: Für welche Anwendungen und
Dienste werden sich investitionsfreudige Unternehmen
beziehungsweise zahlungswillige Konsumenten finden?
Bei der Beantwortung dieser Fragen steht auch
für Netzwerkbetreiber und Investoren viel auf dem Spiel.
Das gilt nicht nur für die Ersteigerer der
UMTS-Lizenzen, sondern mindestens genauso für die
Anwendungsentwicker - gerade auch für die schillernde
Welt des M-Commerce. Nach den Investitionen der
neunziger Jahre in ISDN- und GSM-Netze und ihre
Anwendungen steht offenbar die nächste große
Investitionsrunde bevor.
*Berthold Wesseler ist
freier Journalist in Brühl/Rheinland.
Abb:
Mobile Mitarbeiter müssen über LAN/WAN-Daten- und
PBX-Voice-Netzwerke integriert werden. Quelle: Siemens
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