Standard-Software Anpassen oder
Aussterben Das Internet hat die ERP-Branche
auf dem falschen Fuß erwischt. Der Wandel zum
E-Commerce-Anbieter kostet Kraft. Haben die großen Fünf
der Branche den Anschluß verpaßt?
Dinosaurier beherrschten einst
unseren Planeten. Heute finden die Tiere nur noch als
versteinerte Knochenfunde oder computeranimierte
Leinwandmonster Beachtung. Warum die Dinosaurier
irgendwann komplett von der Bildfläche verschwanden,
weiß niemand so genau. Offensichtlich hatten die zum
Teil riesigen Tiere aber das Problem, sich nicht an eine
verändernde Situation anpassen zu
können.
 Das Schicksal der
Dinosaurier sollte den Herstellern von Software zum
Enterprise Resource Planing (ERP) zu denken geben. Neben
den kleineren Anbietern stehen vor allem die großen
Fünf, also Baan, J.D. Edwards, Oracle, Peoplesoft und
SAP einer richtungsweisenden Herausforderung gegenüber:
dem Internet!
Das traditionelle
ERP-System fand unternehmensintern statt. Die eigenen
Geschäftsprozesse und Abläufe wurden optimiert und
standardisiert. Mit komplexen Systemen und
Riesenprojekten, die für derartige Aufgaben konzipiert
waren, wurde vor gar nicht allzu langer Zeit noch sehr
viel Geld verdient. Heute ist das Schnee von gestern.
Die Kunden verlangen neuerdings mehr von ihrer
Standardsoftware als die Automatisierung von
unternehmensinternen Operationen. Der Fokus ist durch
die Möglichkeiten des E-Business nach außen gerichtet –
auf Kunden und Lieferanten. Die Unternehmensgrenzen
werden gesprengt. Übers Internet sollen Kunden und
Zulieferer in interne Prozesse eingebunden werden, über
Web-Shops Produkte verkauft und in Portalen
Business-to-Business-Transaktionen erledigt werden. Der
träge und monolithische Ruf von traditionellen
ERP-Systemen ist dabei eher hinderlich. Gefragt ist das
Gegenteil: Flexibilität, Offenheit und leichte
Bedienbarkeit.
"Standard-Software könnte zum Legacy-System
verkommen."
Schlagworte wie E-Commerce,
Supply Chain Management (SCM) und Customer Relationship
Management (CRM) sind für die strategische Ausrichtung
von Unternehmen neuerdings so zentral geworden, daß
ERP-Hersteller fürchten müssen, ihre Software könnte zum
nächsten Legacy-System verkommen, sollte der nötige
Web-Wandel nicht vollzogen werden – und zwar
schnell.
Der Analyst David Caruso von
AMR Research bestätigt die dramatische
Übergangssituation, in der die ERP-Hersteller stecken:
»Unternehmenssoftware ist am wichtigsten Wendepunkt
ihrer Geschichte angelangt. E-Business ist nämlich nicht
nur ein technologischer Wandel. E-Business ist auch ein
fundamentaler Wechsel in der Art, wie Unternehmen
Geschäfte machen.« Geschäftsprozesse intern zu
organisieren und optimieren war die Domäne der
traditionellen ERP-Systeme. Die E-Business-Revolution
wird diese standardisierten Prozesse drastisch
verwandeln. Die neu entstehenden Geschäftsmodelle
zielen damit ins Herz der
ERP-Branche.
Brian
Marshall, CIO von Westell Technologies, hat sich für
eine E-Business-Erweiterung mit SAP entschieden.Die
Internet-Applikationen und das Back-Office Paket
kommen aus einer Hand.
Der Anpassungsdruck, der die
ERP-Hersteller schon auf dem amerikanischen Markt erfaßt
hat, wird wohl ab 2001 auch den europäischen Markt
bestimmen. Wer bis dahin nichtgerüstet ist und die
notwendige Flexibilität vorweisen kann, wird nicht nur
Marktanteile verlieren, sondern ziemlich schnell in der
Bedeutungslosigkeit verschwinden.
Übergangsphase Die Gefahren
haben auch die Hersteller erkannt. Hasso Plattner,
Vorstandssprecher der SAP betont: »Ganz sicher befinden
wir uns in einer Übergangsphase. Der Wandel von
Client/Server-zentrierter Software hin zu
Internet-basierter Software ist in den USA deutlich zu
sehen. Wir erwarten die gleiche Tendenz in Europa.« Der
neue Chief Executive Officer (CEO) von Peoplesoft Craig
Conway stieß ins selbe Horn, als er anläßlich der Bilanz
für das dritte Quartal sagte: »1999 war ein Jahr des
Übergangs für Peoplesoft und die ganze ERP-Industrie.«
Douglas Massingill, CEO von J.D. Edwards weiß ebenfalls
was die Stunde geschlagen hat: »Wir sind erst am Anfang
eines signifikanten Wechsels der Geschäftswelt.« Mary
Coleman, CEO von Baan, behauptet sogar: »Baan hat den
fundamentalen Wandel für Geschäftsmodelle im Markt für
Standard-Software vorausgesehen.« Bei all diesen
Aussagen wollte auch der CEO von Oracle, Larry Ellison,
nicht klein beigeben. In seiner prägnanten und
volkstümlichen Art gab er bekannt: »The Internet changes
everything.«
Die Aussagen
zeigen: Die Großen der ERP-Branche haben die Zeichen der
Zeit erkannt. Was aber nützen all die
Lippenbekenntnisse, wenn den Worten keine Taten folgen?
Dem Vorwurf das Internet verschlafen zu haben, müssen
sich alle Hersteller stellen. So etwas wird nicht gerne
gehört. Die Reaktionen sind entsprechend: So erklärte
erst kürzlich SAP-Mitbegründer Plattner: »Die Aussagen,
SAP habe das Internet verschlafen, verletzten uns
zutiefst und sind einfach nicht wahr.« Darüber gibt es
geteilte Meinungen. Und selbst das Walldorfer Urgestein
gibt zu, daß »der Umbruch nicht vor dem Jahr 2000
geplant war. Wir hatten nicht erwartet, daß die
Internet-Umstellung auf dem US-Markt so schnell erwartet
wird. Dort kam das alles wie ein Gewitter, mit dem wir
nicht gerechnet hatten.«
Auch
Henning Kagermann, der zweite Vorstandssprecher bei SAP
gab indirekt Versäumnisse zu: »Der Bedarf wurde von den
Kunden nicht so zurückgemeldet. Daraus haben wir falsche
Schlüsse gezogen.« So gesehen wurde die
Internet-Revolution falsch eingeschätzt und wohl doch
ein wenig verbummelt.
Den
Vorwurf der Verspätung müssen sich allerdings auch die
anderen gefallen lassen. Jetzt versuchen nicht nur die
Großen der ERP-Branche mit einer Fülle von neuen
Produkten verlorenen Boden wieder gut zu machen. Die
Neuerungen sollen ERP-Systeme in flexible
Infrastrukturen für das E-Business verwandeln. Bedenkt
man aber den zwielichtigen Ruf der komplexen
Standard-Software-Systeme von problematischen,
fehlgeschlagenen und teuren Installationen, könnte das
ein schwieriges Unterfangen werden. In den USA ringen
die Etablierten außerdem mit kleinen, innovativen
Neugründungen, die ganz spezielle
E-Business-Applikationen
anbieten.
Dabei haben die
ERP-Hersteller nicht unbedingt die schlechtesten
Verkaufsargumente für ihre E-Commerce-Produkte: Zum
einen können ERP-Systeme mit massenhaften
Web-Transaktionen fertig werden und auf dieser Ebenen
auch sicherstellen, daß Bestellungen und Anfragen
erfüllt werden. Andererseits wollen viele Unternehmen
die immensen Integrations-Kosten, die mit
E-Business-Software aus dritter Hand entstehen,
vermeiden. Schließlich bietet der Kauf von
vorkonfigurierten Applikationen, die sich relativ
reibungslos in das bestehende System des selben
Herstellers integrieren lassen, auch einen
Investitionsschutz. Integration ist das größte
Verkaufsargument zu Gunsten der
Standard-Software-Hersteller und ihren
E-Commerce-Anwendungen. »Die große Herausforderung für
IT-Abteilungen ist die vollständige Integration«, sagt
Maynard von der Aberdeen Group. »Von einem Händler zu
kaufen, ist für solche Anwender ein
Argument.«
Genau dieser Grund
war auch für die Bea-Group ausschlaggebend. Das
Unternehmen mit Stammwerk in Ahrensburg bei Hamburg
produziert und vertreibt Tacker, Klammern und Nägel.
Seit Anfang 1998 wird in dem europaweit agierenden
Konzern mit 625 Mitarbeitern die Standardsoftware
Baan-ERP eingesetzt. Seit Februar dieses Jahres ist die
Bea-Group Beta-Tester von Baan-E-Enterprise. Als die
Entscheidung für eine E-Business-Erweiterung fiel, war
der Schritt zu Baan-E-Enterprise für Geschäftsführer
Tobias Fischer-Zernin nur logisch. Schließlich sei durch
die Integration von E-Enterprise und Baan-ERP ein
Release- und Versionswechsel relativ problemlos und ohne
großen Aufwand möglich. Außerdem stößt das
Alles-aus-einer-Hand-Konzept auf Zustimmung: Die
komplette Pflege des Systems wird von Baan
erledigt.
Zur Zeit wird an den
letzten Einstellungen von E-Enterprise und dem neuen
Web-Auftritts gearbeitet. Mitte November will die
Bea-Group, die im letzten Jahr einen Umsatz von 170
Millionen Mark gemacht hat, mit ausgewählten Usern den
Life-Betrieb des Projekts testen. Die Zielsetzung der
Bea-Group beschreibt IT-Leiter Thomas Bartl
folgendermaßen: »Wir machen nur Geschäfte im Bereich
Business-to-Business. Mit E-Enterprise wollen wir unsere
Kundenbasis erweitern, indem wir Zugang zu neuen
Kundensegmenten gewinnen, deren direkte Betreuung nicht
wirtschaftlich ist und die daher momentan eher schlecht
betreut werden. Außerdem erreichen wir eine zeitliche
Ausdehnung unserer Öffnungszeiten auch nach Büroschluß
für Kundengruppen im Handwerk. Ich würde das als
Customer Relationship Management
bezeichnen.«
Noch läuft
allerdings nicht alles wie geplant. »Die Integration mit
Baan-ERP könnte besser sein. Auch die Kataloggestaltung
und die allgemeine Geschwindigkeit der Software könnten
noch verbessert werden«, so IT-Leiter Bartl. Trotzdem
blickt Geschäftsführer Fischer-Zernin positiv in die
Zukunft und erwartet von E-Enterprise auch echten
Geschäftsnutzen. »Wir können jetzt Kundengruppen
erreichen, die bisher durch unser traditionelles
Vertriebssystem nicht erreichbar waren«, ist er
sicher.
»Mit Baan E-Enterprise wollen
wir unsere Kundenbasis erweitern, indem wir Zugang zu
neuen Kundensegmenten bekommen.« Thomas
Bartl, IT-Leiter der
Bea-Group
Auch für Westell Technologies war die
Integration von traditionellen ERP-Komponenten und neuen
E-Commerce-Anwendungen das ausschlaggebende Argument.
Als das Unternehmen für Telekommunikationskomponenten
aus Aurora im US-Bundesstaat Illinois eine
E-Commerce-Infrastruktur schaffen wollte, über die
Produkte an private Konsumenten verkauft werden können,
wurde auf Bewährtes zurückgegriffen. Die Entscheidung
fiel zu Gunsten von SAP, weil die Walldorfer sowohl die
Web-Storefront als auch die notwendigen Applikationen im
Back-Office liefern kann. »Jeder kann Bestellungen über
das Internet annehmen«, sagt Chief Information Officer
(CIO) Brian Marshall von Westell, »aber was passiert,
wenn die Bestellungen erledigt und abgearbeitet werden
müssen?«, äußert Marshall seine Bedenken gegenüber
kleineren
E-Commerce-Spezialisten.
Neben
diesen Vorteilen haben die traditionellen Hersteller von
Standard-Software allerdings auch große Hindernisse zu
überwinden bevor sie sich zu den Hauptanbietern von
E-Business-Applikationen zählen können: So sieht sich
die ERP-Branche zumindest in den USA einem harten
Konkurrenzkampf von flinken und innovativen
Neugründungen gegenüber. Zudem sind die Strategien der
ERP-Giganten oftmals unsicher und für Anwender nicht
immer klar zu verstehen. Dieses Manko versucht
beispielsweise SAP in den USA mit TV-Werbespots für die
Internet-Strategie Mysap.com entgegenzutreten. Die
Internet-Anbindung erfordern auch eine intuitiv zu
bedienende Oberfläche, da nicht mehr ausschließlich
Spezialisten mit dem ERP-System arbeiten werden. Auch
die Komplexität der Systeme könnte sich für
ERP-Hersteller als sehr schlechte Ausgangsbasis für die
sich rapide verändernde E-Business-Landschaft erweisen.
Nicht zu vergessen: Die meisten der E-Business-Produkte
sind noch in der Entwicklungsphase. Analysten weisen
wohl nicht zu unrecht darauf hin, daß Hersteller von
Standardsoftware noch immer nicht bewiesen haben, daß
sie ihrem Versprechen von der Integration von
E-Business-Applikationen und ihren Back-Office-Systemen
auch Taten folgen werden lassen. »CIOs sind sehr
vorsichtig und mißtrauisch. Sie wollen genau wissen, ob
ihr ERP-Hersteller nur eine Vision oder ein real
existierendes Produkt anbietet«, schreibt etwa Ron Exler
ein Analyst der Robert Frances Group, in einer kürzlich
erschienenen Studie.
Anschluß
verpaßt Nur wenige IT-Manager scheinen
überhaupt an ERP-Unternehmen zu denken, wenn es um den
Einkauf von E-Business-Software und Systemen geht.
Diesen Schluß legt zumindest eine Studie der
InformationWeek USA vom April dieses Jahres nahe. Auf
die Frage, welche Hersteller bei der Unterstützung ihrer
E-Business-Bemühungen am strategisch wichtigsten sind,
erzielte von den traditionellen ERP-Herstellern nur
Oracle auf Platz Sieben eine Position unter den ersten
Zehn. An erster Stelle unter den 375 Befragten
IT-Managern kam etwas überraschend Microsoft, gefolgt
von IBM, Cisco Systems, Compaq, Hewlett-Packard und Sun
Microsystems. Hinter Oracle plazierten sich Dell,
Netscape und der US-Telekommunikationsgigant
AT&T.
Ein großes Bedenken,
das IT-Manager mit ERP-Herstellern als
E-Business-Partner haben, ist deren Fähigkeit ihre
Systeme den wechselnden Geschäftsmodellen anzupassen.
Zudem ist die Unterstützung von neuen Prozessen, die dem
Web-Geschäft inhärent sein werden fraglich.
E-Commerce-Prozesse wie Build-to-Order-Produktion,
One-to-One-Marketing und Online Customer Service sind
neu für traditionelle ERP-Systeme. »Die selben
Business-Prozesse, die in der Software integriert sind,
müssen sich in Richtung der Bedürfnisse des E-Business
entwickeln«, sagt Caruso, Vice-President für
Enterprise-Applikation-Strategien bei AMR Research.
Dabei sind ERP-Systeme nicht so einfach zu
rekonfigurieren, wenn sich Geschäftsprozesse ändern. SAP
beispielsweise »hat Schwierigkeiten so wie es R/3
strukturiert hat, mit dem System auf schnelle Änderungen
der Business-Prozesse zu reagieren«, glaubt Jack
Maynard, ein Analyst der Aberdeen Group. Maynard fügt
allerdings hinzu, daß die Walldorfer versuchen dies mit
der Integration der Extensible Markup Language (XML) und
Online-Workflow-Technologien in die R/3-Architektur zu
ändern.
Um sich als Internet-fähiger
Konzern zu präsentieren, hat SAP in letzter Zeit zudem
einige neue Produkte angekündigt und auch bereits
ausgeliefert. Seit Ende September wird Mysap.com mit den
Komponenten Workplace, Marketplace, den sogenannten
Business-Scenarios sowie der externen Bereitstellung von
Anwendungen für Application-Hosting ausgeliefert.
Business-Scenarios sind Software-Komponenten, die eine
Abwicklung von speziellen Geschäfts-Komponenten über das
Internet ermöglichen. Sie stellen beispielsweise die
Verbindung von Zulieferern zum internen R/3-System her,
ermöglichen den Einkauf von Produktionsteilen und können
Bestellungen abwickeln. Die Komponenten, die Daten aus
anderen SAP-Applikationen ziehen können, sollen so
konstruiert sein, daß sie ein kostensparendes und
schnelles Implementieren ermöglichen.
Oracle war der
erste ERP-Hersteller, der das Web im Visier hatte.
Allerdings scheint das Unternehmen von Larry Ellison
noch nicht ganz so weit zu sein. Auf jeden Fall wurde
das Release 11i zunächst einmal um sechs Monate auf das
Frühjahr 2000 verschoben. In 11i sollen zum ersten mal
ERP- und E-Commerce-Applikationen in der Lage sein
dieselbe Datenbank zu teilen. Das würde zu einer
verbesserten Integration von Webseiten und Back-Office
führen. Oracle 11i soll zudem mehr E-Business-Features
bieten. Ein spezielles Management-Portal wird Zulieferer
mit dem Oracle ERP-System verbinden. Das sogenannte
One-Button-Invoicing soll beispielsweise die Abrechnung
mit den Zulieferern automatisieren. Das Portal wird
Zulieferer zudem mit Daten des jeweiligen Kunden
versorgen, wie etwa Inventarlisten, Langzeit-Voraussagen
und Produktionspläne.
Ähnlich
wie SAP verfolgt auch Baan eine Strategie, seine
Software zu kleineren Paketen zu schnüren. Um
ERP-Systeme schneller und einfacher zu implementieren,
soll Baan intern Überlegungen anstellen, abgespeckte
Versionen von ERP-Applikationen anzubieten,
beispielsweise um eine Lieferkette zu managen oder
Logistik- Procurement- und
Produkt-Konfigurations-Komponenten
anzubieten.
Außerdem erweitert
Baan seine E-Enterprise Plattform. Die bietet ein Set
von Online E-Commerce-Applikationen für Verkauf,
Konfiguration und Business-to-Business-Kollaboration,
die mit den ERP- und Front-Office-Applikationen
integriert sind. Baan will demnach im Dezember ein
Procurement-Modul hinzufügen. Für Anfang nächsten Jahres
ist das Release eines Portals geplant, das Mitarbeitern
ein Interface zur Business-Intelligence-Suite liefert.
Für Baan-Anwender könnte das eine Möglichkeit bedeuten,
schneller in den E-Business einzusteigen – vor allem
wenn die Zulieferer noch nicht über ein Baan ERP-System
verfügen.
»ERP-Software ist an einem Wendepunkt.
E-Business bringt einen fundamentalen Wechsel in
der Art, wie Geschäfte gemacht
werden.« David Caruso, Analyst von AMR
Research
J.D. Edwards gab Ende September
mit dem jüngsten Release der Unternehmenssoftware One
World die Verfügbarkeit des Active-Era-Portals sowie der
Active-Era-E-Business-Werkzeuge bekannt. Außerdem sind
die Komponenten der im Juni geschlossenen
Partnerschaften mit Arriba und Siebel in Richtung
E-Business beziehungsweise Customer Relationship
Management integriert. Auch die Akquisition des
Supply-Chain-Management-Spezialisten Numetrix im Sommer
trägt Früchte: Die Numetrix-Funktionalitäten sollen
ebenfalls im neuen Release von One World zur Geltung
kommen.
Peoplesoft schließlich
will mit Version 8 seiner ERP-Suite den Fokus auf
E-Business-Anwendungen richten. Auf der amerikanischen
User-Konferenz in New Orleans wurden Mitte September
erste Funktionalitäten vorgestellt. Demnach ist
Peoplesoft 8 mit einem Internet-Client ausgestattet, der
Anwendern Zugriff auf E-Business-Applikationen
ermöglichen soll. Als erste Komponente wird laut
Peoplesoft die Entwicklungsumgebung Peopletools 8 noch
in diesem Jahr ausgeliefert. In der zweiten Hälfte 2000
sollen dann Anwendungen in den Bereichen
Personalmanagement, Finanzen, SCM, Fertigung und Service
Supply Chain folgen. Derzeit verfügbare E-Commerce
Anwendungen sind Peoplesoft e7.5, E-Procurement,
Enterprise Performance Management, E-Store und
E-Campus.
Die rege Tätigkeit
der ERP-Giganten in Richtung Internet-Erweiterung ihrer
Standard-Software-Systeme zeigt: ERP-Hersteller hatten
keine andere Wahl. Sie mußten auf den E-Business-Zug
aufspringen. Die Frage ist heute längst nicht mehr ob,
sondern ob noch rechtzeitig. Wer den Anschluß verpaßt
hat, könnte sich bald mit den Dinosauriern vergleichen:
Einstmals groß und mächtig und dann urplötzlich von der
Bildfläche verschwunden. mit Beiträgen von Alorie
Gilbert und Jeff Sweat.
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