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| COMPUTERWOCHE Nr. 05 vom 02.02.2001
Seite 47-48 |
Praxis |
Enterprise-Resource-Planning und Analyse wachsen
zusammen
User ziehen Data Warehouse ihrer ERP-Anbieter vor MÜNCHEN
(CW) - Einer Studie der Meta Group* zufolge nutzen
Unternehmen zunehmend Daten aus ihrem ERP-System als
wichtigste Quelle für ihr Management-Informationssystem.
Die Mehrheit der Anwender setzt dabei auf die Lösungen
der ERP-Hersteller oder auf Eigenentwicklungen, statt
die technisch ausgereifteren Systeme von spezialisierten
Drittanbietern zu nutzen.
Während
Anwender ihre Enterprise-Resource-Planning-(ERP-)Systeme
früher in erster Linie nutzten, um ihre internen
Geschäftsprozesse effizienter zu gestalten, erkennen sie
zunehmend deren Wert als strategische
Informationsquelle. Insbesondere die Verknüpfung der
ERP-Systeme mit Front-Office-Anwendungen, beispielsweise
Customer-Relationship-Management (CRM) und
Supply-Chain-Management (SCM), erhöhen den Bedarf an
unternehmensweiten Informations-Management- und
Analyselösungen.
Eine von der Meta Group
vorgestellte Studie bestätigt diesen Trend: 89 Prozent
der befragten Firmen gaben an, ihr ERP-System mit einem
Data Warehouse (DW) zu integrieren, um dadurch einen
durchgängigen Blick auf Daten und das Unternehmen
insgesamt zu erhalten. Fast ebenso viele wollen damit
die Leistungsfähigkeit ihres Managements erhöhen (82
Prozent). An dritter Stelle - noch vor der
Zusammenführung unterschiedlicher Datenquellen - wurde
die bessere Darstellbarkeit von Geschäftsprozessen
genannt.
An der Web-Umfrage der Meta Group
nahmen 1200 Unternehmen teil. Die Autoren der
Untersuchung verwenden meist den Sammelbegriff Data
Warehouse (DW), außer sie gehen explizit auf bestimmte
Funktionen wie die Datenextraktion ein (zu den
verschiedenen Applikationstypen, siehe Kasten Seite 48).
600 der befragten Firmen machten Angaben zum
Fortschritt ihrer DW/ERP-Integration: Während 81 Prozent
der Anwender noch in der Evaluierungs-, Planungs- oder
Implementierungsphase stecken, gaben nur sieben Prozent
an, die Integration bereits abgeschlossen zu haben.
Diese Zahlen variieren jedoch stark nach Branchen. Die
IT-Industrie liegt erwartungsgemäß mit 26,7 Prozent weit
in Führung, wogegen im Gesundheitsbereich kein einziges
Unternehmen sein Projekt zum Zeitpunkt der Umfrage
beendet hatte.
Die abgeschlossenen Projekte
haben durchschnittlich 1,4 Jahre gedauert, die derzeit
noch nicht beendeten ERP/DW-Integrationen laufen im
Mittel seit rund zehn Monaten. Die meisten Unternehmen
wenden dafür rund fünf Prozent ihres IT-Budgets auf; nur
fünf Prozent der befragten Anwender geben mehr als 30
Prozent dieser Mittel aus.
Dabei wirkt sich die
Systemarchitektur auf die Ausgaben aus. Bei Firmen mit
einer zentralisierten IT-Struktur belaufen sich die
Kosten im Durchschnitt auf rund 6,5 Millionen Dollar.
Unternehmen mit einer hybriden IT-Architektur haben bei
durchschnittlich etwas größeren IT-Budgets mit 7,4
Millionen Dollar auch etwas höhere Ausgaben für die
DW/ERP-Integration. Mit Abstand die höchsten Beträge
fallen bei Firmen mit abteilungsspezifischen Lösungen
an: Obwohl diese Unternehmen deutlich geringere
Gesamt-IT-Ausgaben aufweisen, sind dort die
DW/ERP-Projekte mit 12,6 Millionen Dollar im Mittel am
teuersten.
Die Meta-Studie ergab auch
signifikante Kostenunterschiede zwischen den
eingesetzten ERP-Systemen. So liegen beispielsweise bei
SSA-Anwendern die Ausgaben bei 300000 Dollar für
DW-Produkte und 2,8 Millionen Dollar für DW-Services.
Diese im Vergleich zu anderen ERP-Systemen niedrigen
Kosten verschlingen allerdings rund 20 Prozent des
gesamten IT-Budgets der meist mittelständischen
Unternehmen.
SAP-Anwender müssen prozentual
ebenfalls tief in die Tasche greifen, obwohl die
Software der Walldorfer hauptsächlich in Firmen mit
hohem IT-Budget läuft. Ähnlich ist die Situation bei
Oracle-Anwendern. Hier hatten die Meta-Analysten
deutlichere Unterschiede zu SAP erwartet. Zugrunde lag
die Überlegung, dass SAPs komplexe Three-Tier
Architektur schwerer in den Griff zu bekommen sei als
der datenbankzentrierte Oracle-Ansatz.
Große
Unterschiede zeigen sich auch im personellen Aufwand für
die DW/ERP-Integration. Fast die Hälfte der befragten
Unternehmen gab an, dafür zwei bis fünf Mitarbeiter
einzusetzen. Baan- und SSA-Anwender kommen im Schnitt
mit zwei Mitarbeitern aus, während Oracle-, SAP- und
J.D. Edwards-Nutzer Teams mit acht bis zehn Personen
benötigen.
Breiten Raum widmet die Studie der
Frage, welche DW-Anbieter von den Anwendern bevorzugt
werden. Zusammenfassend kommen die Marktforscher zu dem
Ergebnis, dass sich die DW-Angebote der ERP-Hersteller
größerer Beliebtheit erfreuen als die technisch
ausgereifteren und umfassenderen Lösungen von
spezialisierten Drittanbietern. Viele Anwender scheinen
den begrenzten Funktionsumfang der DW-Applikationen
ihres ERP-Lieferanten in Kauf zu nehmen, da sie auf
kürzere Implementierungszeiten hoffen (was die Studie
nur in Teilbereichen bestätigt) und vermeiden wollen,
auf einen zusätzlichen Hersteller und dessen Dienste
angewiesen zu sein.
Überraschend ist dieses
Fazit dennoch, weil der in DWs bearbeitete Datenbestand
im Schnitt nur zu 38 Prozent aus dem ERP-System stammt.
Gerade bei der Zusammenführung mehrerer Datenquellen ist
jedoch das Know-how von Drittanbietern dem der
ERP-Hersteller überlegen, konstatiert Sam Clark, einer
der Meta-Autoren.
Die genauere Betrachtung
zeigt, dass bei Anwendern, die DW-Software von ihrem
ERP-Hersteller bevorzugen, der Anteil von ERP-Daten im
Data Warehouse durchschnittlich 54,5 Prozent beträgt. In
Unternehmen, die Lösungen von Drittanbietern
favorisieren, liegt dieser Wert bei 44,4 Prozent. Am
geringsten ist dieser Prozentsatz (29 Prozent) bei
Firmen, die ihre DW-Lösung selbst entwickelt haben.
Ohnehin waren die Marktforscher vom hohen Anteil
an DW-Eigenentwicklungen ausgesprochen überrascht,
insbesondere weil diese Projekte wesentlich länger
dauern. Etwas ratlos vermuten die Autoren, es sei den
DW-Herstellern nicht ausreichend gelungen, die
Unternehmen von den Vorteilen ihrer Lösungen zu
überzeugen.
Einzig im Bereich Reporting- und
Analyseapplikationen verzeichnen die auf DW
spezialisierten Softwareanbieter einen höheren
Marktanteil als die ERP-Konkurrenz. Besonders
Unternehmen mit komplexen, heterogenen Systemen
profitieren von der Best-of-Breed-Erfahrung der
Spezialisten.
Im Anhang der Studie unterscheidet
Sam Clark vier verschiedene Typen von Analyse-Tools, je
nachdem, ob Kunden, Zulieferer, die Organisation oder
die Ressourcen des Unternehmens bewertet werden sollen.
Demnach haben Oracle, SAP und Peoplesoft in den beiden
zuletzt genannten Bereichen vernünftige Lösungen,
wogegen bei der Kundenanalyse große Löcher im Angebot
klaffen. Hier seien die Applikationen von Epiphany,
Broadbase und SAS Institute führend. Auch bei der
Analyse von Zulieferern können Clark zufolge die großen
ERP-Hersteller nicht mit Firmen wie I2
Technologies/Aspect und SAS mithalten. Die Meta Group
geht davon aus, dass sich die Zahl der Partnerschaften
von Drittanbietern mit ERP-Herstellern künftig weiter
erhöhen wird.
Insgesamt liegen im Bereich
Reporting und Analyse Client-Server-basierte Ansätze mit
54,8 Prozent noch deutlich vor Web-basierten Systemen
mit einem Anteil von 45,3 Prozent. Die Marktforscher
gehen jedoch davon aus, dass mit Fortschritten der
Internet-Technologie wie beispielsweise bei
Sicherheitsaspekten oder der Extensible Markup Language
(XML) insbesondere in größeren Unternehmen
Thin-Client-Technologien auf Web-Basis weiter zulegen
werden.
Unter den für Data Warehousing genutzen
Betriebssystemen nimmt Unix mit 55 Prozent aufgrund
seiner Skalierbarkeit den absoluten Spitzenplatz ein,
gefolgt von Windows NT mit 23,2 Prozent. IBMs
Plattformen für Mainframe-Umgebungen sowie AS/400
erreichen beide einen Marktanteil von fünf Prozent.
*Die Studie der Meta Group trägt den Titel
"Major Warehouse Issues for Enterprise Resource Planning
Systems". Weitere Informationen unter http://www.metagroup.com/.
DW-BausteineDer von der Meta Group
benutzte Oberbegriff Data Warehousing umfasst im
Einzelnen folgende Anwendungsarten:
-ETLM-Tools
(ETLM = Extract, Transform, Load, Manage): Lösungen, die
ERP-Daten aus Datenbanken auslesen, nach den Schemata
des Data Warehouse umwandeln und sie dort ablegen.
-Data Warehouses (DWs) und Data Marts (DM):
Auf diesen Systemen werden die Daten in einer
aufbereiteten Form für Informations- und Analysezwecke
vorgehalten. Während ein DW meist Daten aus
verschiedenen Quellen und Geschäftsbereichen zur
Verfügung stellt, umfasst ein DM entweder
subjektspezifische oder Abteilungsinformationen.
-Operationale Berichtssysteme: Derartige
Lösungen arbeiten ohne Data Warehouse und greifen direkt
auf die Daten des operationalen Systems zu. Sie verfügen
meist über beschränkte Analysemöglichkeiten.
-DW-basierte Reporting- und
Analyseapplikationen: Sie dienen dem Zugang, der
Betrachtung sowie der Analyse und Weiterverarbeitung der
in DWs oder DMs gesammelten Informationen.
Abb.1: Kosten für DW-Integration
Trotz
komplexerer Systemarchitektur sind die DW-Projekte von
SAP-Nutzern kaum teurer als die von Oracle-Anwendern.
Quelle: Meta Group
Abb.2: Projektdauer
Die Implementierung von Reporting- und
Analyse-Tools von Drittanbietern dauert zwar länger als
bei den ERP-Herstellern, die Produkte der Spezialisten
sind jedoch meist leistungsfähiger.Quelle: Meta Group
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