Persönliche Anmerkungen zum PPS-Projekt (rjw)

Ich gehe der Einfachheit halber den Evaluationsbogen für Schüler durch:

  1. "Welche Einschätzung über die Aktualität und Praxisbedeutsamkeit von PPS haben Sie?" - - Ich halte das Thema PPS für das zentrale Thema der Wirtschaftsinformatik, vor allem dann, wenn man es auf heute aktuelle Begriffe und Bereiche ausweitet (ERP – SCM – CRM ). Diese große zentrale Bedeutung hat das Gebiet sowohl in Forschung und Lehre (siehe Internetinformationen der Wirtschaftsinformatiklehrstühle an FHen und Unis) als auch in der IT-Praxis (siehe Fachzeitschriften „Computerwoche“ und „InformationWeek“, aber auch Stelleninserate, in denen häufig gerade dieser Bereich als Qualifikation verlangt wird).
  2. "Wie empfanden Sie das Unterrichtsklima während des PPS-Projekts?" - Das Unterrichtsklima in meiner Klasse war etwas entspannter als sonst, weil der Ablauf im großen und ganzen von „selbst“ ging (meine Schüler sind zudem an ein großes Maß von selbständigem erarbeiten gewöhnt).
  3. „Beurteilen Sie den Lerneffekt!“ - Die Frage ist, was der Lerneffekt sein soll. Bei den Schülern ging es mir in erster Linie um einen „Kennenlerneffekt“. Dieser hat in den drei gut betreuten Klassen sicherlich angemessen stattgefunden. Mehr war nicht drin. Was die beteiligten Lehrer betrifft, so glaube ich , dass wir einen immensen Lerneffekt bei uns selbst erreichten: zunächst ein besseres Vertrautwerden mit Thematik und Programm, dann ein besseres Kennenlernen der schulischen Realiserungsumstände unseres Projektes, sodass im nächsten Jahr sinnvolle Verbesserungen vorgenommen werden können. Es war der erste, der wichtigste Schritt zur Realisierung dieses Lernbereichs!
  4. "Welche der Bereiche, die Ihnen während des PPS-Projekts begegneten, waren für sie von Interesse?" - Ich persönlich halte das Kennenlernen des Gesamtgebietes ERP/PPS für wesentlich, sowohl für die Schüler als auch für die WIN unterrichtenden Lehrkräfte. ERP/PPS  ist eben das Kerngebiet aktueller Wirtschaftsinformatik . Das Beschäftigen mit diesem Gebiet macht deutlich, dass vor allem in BWL /BWR umgedacht werden muss, will man die Schüler auf eine außer-BOS-mäßige Realität vorbereiten. Mehr noch:  will man sich als Schule endlich den schon seit Jahrzehnten laufenden Entwicklungen in den Betrieben stellen, dann muss man sich mit ERP/PPS in Form von SAP R/3 auseinandersetzen : Schon Anfang 1980 war der Buchführungsunterricht der Schulen völlig obsolet, weil schon damals die meisten mittleren und alle größeren Betriebe auf „DATEV“ ungestellt hatten; in den 90igern kamen immer mehr EDV-gestützte betriebliche Prozesse hinzu, die entweder einen dummen Benutzer höchst komplexe Aufgaben bewältigen ließen oder die einen klugen, eher generalistisch ausgebildeten Akademiker zu ihrer betriebsadäquaten Anpassung und zu einem betriebwirtschaftlich sinnvollen und lohnenden  Einsatz benötigten; schließlich mündete diese Entwicklung darin, dass SAP R/3 zum Standard für betriebswirtschaftliche EDV-Anwendungssysteme wurde – und auch heute  noch ist.
  5. "Geben Sie dem Verlauf der einzelnen Übungstage Schulnoten!"   ---------------------------- · zu Montag (theoretische Einführung): Die theoretische Vorbereitung auf PPS bedarf mehr Zeit und mehr fächerübergreifender Integration. Zunächst setzt die Verwendung von ERP / PPS –Systemen Kenntnisse in Produktions- und Materialwirtschaft voraus, wie überblicksartig im Gesamtgebiet der betrieblichen Logistik. Dies wäre eigentlich Aufgabe einer modernen BWL, die dann gleich die prozess- und ereignisorientierte Sichtweise von Betriebswirtschaft (Geschäftsprozesse – Workflow – ERM /VK /EP als Darstellungmethoden – Data Warehouse – Konzepte u.ä.) mit vermitteln sollte. Weil die theoretische Vorbereitung und Einführung in ERP/PPS doch ziemlich umfangreich und – erarbeitet man die eben angeführten neuen Konzepte – auch anspruchsvoll ist, muss man einen längeren Vorlauf planen als den von uns dafür anberaumten einen Vierschulstundentag (Montag). Da sich aber die Lehrpläne vermutlich nicht so schnell der betrieblichen Realität anpassen werden (das Beharrungsvermögen einer auf  traditionelle Bilanzierung/Finanzierung/Produktions- und Kostentheorie/Buchführung /Kostenrechnung eingeschworenen – und nun schon einmal vorbereiteten – Lehrerschaft in FOSen und BOSen ist immens und wird vermutlich erst schwinden, wenn die ganze Generation von Lehrern den Schuldienst quittiert, die in den 70er und frühen 80iger Jahren eingestellt wurde), muss der Vorlauf von den Fächern Technologie und Wirtschaftsinformatik geleistet werden.
·zu Dienstag (praktische Einführung): Hier glaube ich, dass man den Schülern einfach mehr Zeit sich im Programm zu orientieren geben sollte und ihnen auch ruhig die wichtigsten Teile des Handbuchs (pmshand) lesen lassen sollte. Was natürlich immer noch problematisch ist, ist die Beherrschung des Programms durch die Lehrer. Ich bin eindeutig dafür, pms32 nur als Notbehelf weiter einzusetzen und alles zu unternehmen, dass wir an den Schulen, insbesondere der BOS-W, SAP R/3 oder mysap.com oder oracle.com unterrichten, weil diese betriebswirtschaftlichen Anwendungssysteme eben „state of the art“ in Praxis und Wissenschaft sind.

·zu Mittwoch ( komplexere Aufgabenstellung) : Die enge Führung wurde von einigen Schülern sehr begrüßt, während andere (zu Recht) sie dahin gehend kritisierend, dass man zwar ständig etwas zu tun habe, eigentlich aber nicht wisse, was man hier wirklich tue. Zu fragen ist, ob es benutzerfreundlichere PPS/ERP-Systeme gibt, die diese Verwirrung erst gar nicht entstehen lassen. Dann sollte man diese unterrichten. Ich bin in allen Fällen für noch mehr Schülerselbständigkeit, also für eine weniger engschrittige Führung. Damit dies aber klappt, benötigen die Schüler mehr Zeit , mehr Selbstlernmaterial und  anregendere, spannendere Problemstellungen oder ein anderes didaktisches Konzept (Punktewertung, Konkurrenzsituation, Stationsspiel etc. ).

·zu Donnerstag (Kalkulation): Dies wäre jetzt das gefundene Fressen für unsere BWL/Rer. Aber diese haben sich ja verweigert (einer hat sich völlig ausgeklinkt und hat eher noch dagegen Stimmung gemacht und ein anderer hat sich unter dem – zugegeben – großen Aufwand, den eine Vorbereitung dieser Lerneinheit bedeutet hätte, weggeduckt). Das ist ein Umstand, der mir zu denken gibt: Wenn sich die BWL/R-Fraktion nicht integrieren lässt, wird diese über kurz oder lang vom Zug der Zeit abgehängt (dies als – beinahe – banale Prophetie). Da sie sich aber nicht kooperativ zeigt, wird die Durchführung des PPS-Projekts an der BOS-W in München auf absehbare Zeit durch die BWL erschwert, statt gefördert( was m.E. eigentlich die Aufgabe dieser Fachschaft im Rahmen  einer zukunftsorientierten Mitgestaltung der BOS für Wirtschaft ist!).

·zu Freitag (Terminierung): Das vorgelegte Konzept scheint ganz passabel selbständig bearbeitbar zu sein, auch dieser abschließenden Lehreinheit fehlt es etwas an Pepp (vgl Mittwoch). Am Freitag wurden jedoch zwei weitere „systemische“ Brennpunkte deutlich: a) die Einstellung der Schüler und b) die Einstellung der nicht zur engeren Vorbereitungsgruppe gehörenden Lehrer. Die Schüler ließen es – in manchen Klassen schon von Anfang an – an Verbindlichkeit fehlen. Daran scheitern im übrigen viele Gruppenarbeitsphasen an unserer Schule, die über mehr als einen Schultag sich erstrecken.

  1. "Wie schätezen Sie die gesamte Gestaltung des PPS-Projekts ein?"----------------------------Ich schätze unsere Vorbereitungsleistung als herkuleisch ein. Das didaktische Konzept ist zwar glanzlos, es fehlt der ganzen Veranstaltung Elan und Witz, doch das Grundgerüst steht, darauf lässt sich aufbauen. Bewundernswert fand ich, dass es Michael geglückt ist, dieses hahnebüchene  pms32 doch noch im Netz zum Laufen zu bringen. Ebenso ziehe ich meine Hut (den ich nicht besitze, bin kein Hutträger, aber einer, der die Leistung der andern aufrichtig anerkennt) vor Josef, der, obwohl in keiner 13.Klasse unterrichtend, wesentliche Teile der Ausarbeitung übernahm und diese bis zur letzten Minuten zu verbessern trachtete (Mittwoch!). Petra hat sich genauso großes Lob verdient. Es war nicht nur ihrer stringenten und zielbewussten Leitung zu verdanken , dass unser Chaotenclub so schnell zu einem realisierbaren Unterrichtskonzept gelangte, sie hat auch sehr viel Detailarbeit für die Lehreinheiten geleistet (vor allem Freitag, aber auch Montag und  Dienstag). Wie groß mein Anteil am Gelingen des PPS-Projekts war, sollen andere beurteilen. Ich fand die Zusammenarbeit mit den genannten und zusätzlich mit Frank Fischer konstruktiv, kollegial und einfach genial.
  1. Verbesserungs- und Änderungsvorschläge:
Wartenberg, 10.04.01     rjw