Persönliche
Anmerkungen zum PPS-Projekt (rjw)
Ich
gehe der Einfachheit halber den Evaluationsbogen für Schüler
durch:
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"Welche
Einschätzung über die Aktualität und Praxisbedeutsamkeit
von PPS haben Sie?" - - Ich halte das Thema PPS für das
zentrale Thema der Wirtschaftsinformatik, vor allem dann, wenn man
es auf heute aktuelle Begriffe und Bereiche ausweitet (ERP – SCM – CRM
). Diese große zentrale Bedeutung hat das Gebiet sowohl in Forschung
und Lehre (siehe Internetinformationen der Wirtschaftsinformatiklehrstühle
an FHen und Unis) als auch in der IT-Praxis (siehe Fachzeitschriften „Computerwoche“
und „InformationWeek“, aber auch Stelleninserate, in denen häufig
gerade dieser Bereich als Qualifikation verlangt wird).
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"Wie
empfanden Sie das Unterrichtsklima während des PPS-Projekts?" - Das
Unterrichtsklima in meiner Klasse war etwas entspannter als sonst, weil
der Ablauf im großen und ganzen von „selbst“ ging (meine Schüler
sind zudem an ein großes Maß von selbständigem erarbeiten
gewöhnt).
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„Beurteilen
Sie den Lerneffekt!“ - Die Frage ist, was der Lerneffekt sein soll.
Bei den Schülern ging es mir in erster Linie um einen „Kennenlerneffekt“.
Dieser hat in den drei gut betreuten Klassen sicherlich angemessen stattgefunden.
Mehr war nicht drin. Was die beteiligten Lehrer betrifft, so glaube ich
, dass wir einen immensen Lerneffekt bei uns selbst erreichten: zunächst
ein besseres Vertrautwerden mit Thematik und Programm, dann ein besseres
Kennenlernen der schulischen Realiserungsumstände unseres Projektes,
sodass im nächsten Jahr sinnvolle Verbesserungen vorgenommen werden
können. Es war der erste, der wichtigste Schritt zur Realisierung
dieses Lernbereichs!
-
"Welche der Bereiche,
die Ihnen während des PPS-Projekts begegneten, waren für sie
von Interesse?" - Ich persönlich halte das Kennenlernen des Gesamtgebietes
ERP/PPS für wesentlich, sowohl für die Schüler als auch
für die WIN unterrichtenden Lehrkräfte. ERP/PPS ist eben
das Kerngebiet aktueller Wirtschaftsinformatik . Das Beschäftigen
mit diesem Gebiet macht deutlich, dass vor allem in BWL /BWR umgedacht
werden muss, will man die Schüler auf eine außer-BOS-mäßige
Realität vorbereiten. Mehr noch: will man sich als Schule endlich
den schon seit Jahrzehnten laufenden Entwicklungen in den Betrieben stellen,
dann muss man sich mit ERP/PPS in Form von SAP R/3 auseinandersetzen
: Schon Anfang 1980 war der Buchführungsunterricht der Schulen völlig
obsolet, weil schon damals die meisten mittleren und alle größeren
Betriebe auf „DATEV“ ungestellt hatten; in den 90igern kamen immer mehr
EDV-gestützte betriebliche Prozesse hinzu, die entweder einen dummen
Benutzer höchst komplexe Aufgaben bewältigen ließen oder
die einen klugen, eher generalistisch ausgebildeten Akademiker zu ihrer
betriebsadäquaten Anpassung und zu einem betriebwirtschaftlich sinnvollen
und lohnenden Einsatz benötigten; schließlich mündete
diese Entwicklung darin, dass SAP R/3 zum Standard für betriebswirtschaftliche
EDV-Anwendungssysteme wurde – und auch heute noch ist.
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"Geben
Sie dem Verlauf der einzelnen Übungstage Schulnoten!"
---------------------------- · zu
Montag (theoretische Einführung): Die theoretische Vorbereitung
auf PPS bedarf mehr Zeit und mehr fächerübergreifender
Integration. Zunächst setzt die Verwendung von ERP / PPS –Systemen
Kenntnisse in Produktions- und Materialwirtschaft voraus, wie überblicksartig
im Gesamtgebiet der betrieblichen Logistik. Dies wäre eigentlich
Aufgabe einer modernen BWL, die dann gleich die prozess- und ereignisorientierte
Sichtweise von Betriebswirtschaft (Geschäftsprozesse – Workflow
– ERM /VK /EP als Darstellungmethoden – Data Warehouse – Konzepte u.ä.)
mit vermitteln sollte. Weil die theoretische Vorbereitung und Einführung
in ERP/PPS doch ziemlich umfangreich und – erarbeitet man die eben angeführten
neuen Konzepte – auch anspruchsvoll ist, muss man einen längeren Vorlauf
planen als den von uns dafür anberaumten einen Vierschulstundentag
(Montag). Da sich aber die Lehrpläne vermutlich nicht so schnell der
betrieblichen Realität anpassen werden (das Beharrungsvermögen
einer auf traditionelle Bilanzierung/Finanzierung/Produktions- und
Kostentheorie/Buchführung /Kostenrechnung eingeschworenen – und nun
schon einmal vorbereiteten – Lehrerschaft in FOSen und BOSen ist immens
und wird vermutlich erst schwinden, wenn die ganze Generation von Lehrern
den Schuldienst quittiert, die in den 70er und frühen 80iger Jahren
eingestellt wurde), muss der Vorlauf von den Fächern Technologie und
Wirtschaftsinformatik geleistet werden.
·zu
Dienstag (praktische Einführung): Hier glaube ich, dass man den
Schülern einfach mehr Zeit sich im Programm zu orientieren geben sollte
und ihnen auch ruhig die wichtigsten Teile des Handbuchs (pmshand) lesen
lassen sollte. Was natürlich immer noch problematisch ist, ist die
Beherrschung des Programms durch die Lehrer. Ich bin eindeutig dafür,
pms32 nur als Notbehelf weiter einzusetzen und alles zu unternehmen,
dass wir an den Schulen, insbesondere der BOS-W, SAP R/3 oder mysap.com
oder oracle.com unterrichten, weil diese betriebswirtschaftlichen Anwendungssysteme
eben „state of the art“ in Praxis und Wissenschaft sind.
·zu
Mittwoch ( komplexere Aufgabenstellung) : Die enge Führung
wurde von einigen Schülern sehr begrüßt, während andere
(zu Recht) sie dahin gehend kritisierend, dass man zwar ständig etwas
zu tun habe, eigentlich aber nicht wisse, was man hier wirklich tue. Zu
fragen ist, ob es benutzerfreundlichere PPS/ERP-Systeme gibt, die
diese Verwirrung erst gar nicht entstehen lassen. Dann sollte man diese
unterrichten. Ich bin in allen Fällen für noch mehr Schülerselbständigkeit,
also für eine weniger engschrittige Führung. Damit dies aber
klappt, benötigen die Schüler mehr Zeit , mehr Selbstlernmaterial
und anregendere, spannendere Problemstellungen oder ein anderes didaktisches
Konzept (Punktewertung, Konkurrenzsituation, Stationsspiel etc. ).
·zu
Donnerstag (Kalkulation): Dies wäre jetzt das gefundene Fressen
für unsere BWL/Rer. Aber diese haben sich ja verweigert (einer
hat sich völlig ausgeklinkt und hat eher noch dagegen Stimmung gemacht
und ein anderer hat sich unter dem – zugegeben – großen Aufwand,
den eine Vorbereitung dieser Lerneinheit bedeutet hätte, weggeduckt).
Das ist ein Umstand, der mir zu denken gibt: Wenn sich die BWL/R-Fraktion
nicht integrieren lässt, wird diese über kurz oder lang vom
Zug der Zeit abgehängt (dies als – beinahe – banale Prophetie). Da
sie sich aber nicht kooperativ zeigt, wird die Durchführung des PPS-Projekts
an der BOS-W in München auf absehbare Zeit durch die BWL erschwert,
statt gefördert( was m.E. eigentlich die Aufgabe dieser Fachschaft
im Rahmen einer zukunftsorientierten Mitgestaltung der BOS für
Wirtschaft ist!).
·zu
Freitag (Terminierung): Das vorgelegte Konzept scheint ganz passabel
selbständig bearbeitbar zu sein, auch dieser abschließenden
Lehreinheit fehlt es etwas an Pepp (vgl Mittwoch). Am Freitag wurden jedoch
zwei weitere „systemische“ Brennpunkte deutlich: a) die Einstellung
der Schüler und b) die Einstellung der nicht zur engeren Vorbereitungsgruppe
gehörenden Lehrer. Die Schüler ließen es – in manchen
Klassen schon von Anfang an – an Verbindlichkeit fehlen. Daran scheitern
im übrigen viele Gruppenarbeitsphasen an unserer Schule, die über
mehr als einen Schultag sich erstrecken.
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"Wie
schätezen Sie die gesamte Gestaltung des PPS-Projekts ein?"----------------------------Ich
schätze unsere Vorbereitungsleistung als herkuleisch ein.
Das didaktische Konzept ist zwar glanzlos, es fehlt der ganzen Veranstaltung
Elan und Witz, doch das Grundgerüst steht, darauf lässt sich
aufbauen. Bewundernswert fand ich, dass es Michael geglückt ist, dieses
hahnebüchene pms32 doch noch im Netz zum Laufen zu bringen.
Ebenso ziehe ich meine Hut (den ich nicht besitze, bin kein Hutträger,
aber einer, der die Leistung der andern aufrichtig anerkennt) vor Josef,
der, obwohl in keiner 13.Klasse unterrichtend, wesentliche Teile der Ausarbeitung
übernahm und diese bis zur letzten Minuten zu verbessern trachtete
(Mittwoch!). Petra hat sich genauso großes Lob verdient. Es war nicht
nur ihrer stringenten und zielbewussten Leitung zu verdanken , dass unser
Chaotenclub so schnell zu einem realisierbaren Unterrichtskonzept gelangte,
sie hat auch sehr viel Detailarbeit für die Lehreinheiten geleistet
(vor allem Freitag, aber auch Montag und Dienstag). Wie groß
mein Anteil am Gelingen des PPS-Projekts war, sollen andere beurteilen.
Ich fand die Zusammenarbeit mit den genannten und zusätzlich mit Frank
Fischer konstruktiv, kollegial und einfach genial.
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Verbesserungs-
und Änderungsvorschläge:
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Wir
sollten für nächstes Jahr das vorhandene Konzept und Material
lediglich überarbeiten, so dass wir den zeitlichen Ablauf etwas besser
auf den gesamten schulischen Ablauf einrichten können.
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Ich
halte den Schülervorschlag für gut, dass wir den theoretischen
Vorlauf völlig aus der PC-Praxis-Phase heraushalten sollten und somit
in Technologie und/oder Wirtschaftsinformatik die wichtigsten Informationen
zu PPS schon vorab “eingespeist“ haben sollten – der PPS-Trainer und die
CD-ROM von Prof.Faustel „Produktionswirtschaft“ wie auch der Telekollegfilm
zu CIM wären geeignete mediale Stützen. Eine Ex hierzu scheint
mir angebracht.
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Mehr
„Spiel“ ins Projekt – das bedeutet, dass schon ab der komplexeren Problemstellung
(Josefs Teil) eine Konkurrenzsituation oder wenigstens ein Lernstationenspiel
eingeführt werden sollte . Gleiches gilt für Donnerstag und Freitag.
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Zeitlich
sollten wir den Kurs straffen: er sollte an zwei ganzen Schultagen – entweder
hintereinander oder im Abstand von einem Tag – durchgeführt werden.
Das wird die Fluktuation verringern und auch die Störung des übrigen
Unterrichtsbetriebs. An diesen Projekttagen würde ich aber auch erwarten,
dass die Schüler ca. zwei Stunden länger dableiben (als Hereinarbeiten
von WIN-Praxisstunden, die wir ihnen dann nach dem Projekt erlassen können!).
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Mittelfristig
sollten wir eine bessere Software verwenden – besser, weil verbreiteter
(also für die Schüler und deren Zukunft relevanter), und besser,
weil benutzerfreundlicher – beides trifft (soweit ich das bis jetzt überschaue)
auf die SAP-Produkte zu!
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Langfristig
hoffe ich, dass von der Wirtschaftsinformatik her das Fach BWR reformiert
wird und wir an der BOS-W endlich eine moderne BWL (!), die immer schon
EDV-gestützt und –gesteuert ist, betreiben.
Wartenberg, 10.04.01
rjw