LEHRER WOLF :   ERFAHRUNGEN UND PERSPEKTIVEN AUS DEM LEHRERALLTAG

 

Vorschläge für die AG Evaluation "Lehrerarbeitsplatz" (für den 19./20.4.99 ) R.J.Wolf

Während unter dem Schlagwort "Evaluation" die Stoßrichtung der Oberen (Weiß-Söllner, Hohlmeier ) anscheinend "gegen" die ach so innovationsfeindlichen (" ... machen Lehrer wenig Vorschläge, wenn es darum geht, etwas zu verändern": Weiß-Söllner in der SZ von Ostern 99, S.51) und so "wenig soziablen" (ebd.) LehrerInnen gerichtet ist, machen wir uns auf den Weg, von unserer Seite, der Seite der am Arbeitsplatz Schule Arbeitenden, aus, Schule und Unterricht zu "evaluieren". Dies soll natürlich keine Verhinderung einer dringend notwendigen kritischen Kommunikation sein, die zwischen der Lehrerschaft, der Schülerschaft und "außenstehen-den" Betroffenen (Eltern, "Abnehmern": potentielle Arbeitgeber, FHSen, Unis) und Beteiligten ( Schulverwaltung, Schulreferat, Kultusbürokratie .. bis hin zu Ministern und Staatsekretären) zu führen ist, um die Schulen zu "entwickeln", weiter zu entwickeln, zu verbessern. Aber überanstrengte und frustrierte LehrerInnen oder interesselose und orientierungslose Unterrichtende sind ein wesentliches Hemmnis bei diesem Unterfangen. Mit ihrer Arbeit zufriedene und in ihrer Arbeit anerkannte Lehrkräfte wären schon mehr als "die halbe Miete" für eine gelingende Schulentwicklung.

Vorgehen 1:

Unter dieser Evaluationsperspektive könnten wir an die Betriebspsychologie und die Industriesoziologie uns anlehnen und uns der dort zahlreich vorhandnen "Evaluationsinstrumente" bedienen .Ich füge im Anhang einige Fragebogen bei, die wir schnell auf unsere spezielle Situation hin umformulieren und einsetzen könnten.

An dies anschließend könnten wir ein Leitfrageninterview (im Anhang findet sich auch einiges zur Methode) für alle Kollegen der BOS-W (eventuell einsetzbar auch an anderen Schulen der beruflichen Oberstufe) entwickeln. Zielsetzung könnte sein, mit Hilfe der Ergebnisse dieses Leitfrageninterviews eine Positiv/Negativliste des Arbeits-platzes BOS zu erstellen, was dann wieder als Anstoß zur Verbesserung (Forderung nach...) der Arbeitsplatzsituation genommen werden könnte. Die Ergebnisse der Befragungsaktion (die am besten von Externen durchgeführt würde – die Auswertung sollte ein kleines, am 19./20. zu bildendes Team vornehmen) sollten dann auf einer pädagogischen Konferenz/Schulentwicklungskonferenz dem gesamten Kollegium präsentiert werden und dort diskutiert werden. Man könnte ein Belastungsprofil für die Arbeit an der BOS erstellen (fächerspezifisch, orientiert an den Phasen des Schuljahrs), dies könnte als Argumentationsbasis (auch im arbeitsmedizini-schen Sinn! ) zur Verbesserung der Arbeitsplatzsituation an der BOS dienen .

 

 

 

Vorgehen 2:

Hier würden wir im Sinne einer qualitativen Sozialforschung (Ph.Mayring, A.Strauss) erfahrungsbezogen evaluieren. Als mögliche Ziele einer solchen Vorgehensweise könnten wir anvisieren: eine bessere, offenere Verständigung untereinander; ein Relativieren der eigenen Verfassung bzw. ein Objektivieren des scheinbar nur pesönlichen Malheurs; Aufwertung der eigenen all(unterrichts-)täglichen Leistung; das Entwickeln von konkreten, alltagsnahen Strategien zur besseren Bewältigung (coping) der Arbeitsplatzsituation; das Erforschen, Erschließen und bessere Nützen von Ressourcen (z.B. PI, z.B. Prüfungsvorbereitungskurse im Stil von Paukstudios ?...);Anstoß zu "Fallstudien" (z.B. Warum scheitere ich mit neueren Unterrichtsformen im Fach BWR ? – verallgemeinern: Der Unterricht im Fach BWR an der BOS-W- Hindernisse für handlungsorientierten Unterricht ...), die dann wieder als Anstoß für auf Entwicklung ausgerichtete Kommunikation im Kollegium und mit Schülern dienen, aber auch nach "außen" gerichtet als Argumentationshilfen gegenüber Schulbürokratie und der "interessierten" Öffentlichkeit dienen könnten; schließlich kann man natürlich qualitative mit quantitativen Methoden kombinieren: Aus dem eher erfahrungsbezognen Vorgehen lassen sich auch Checklisten und Fragebögen für das ganze Kollegium oder für die gesamte Lehrerschaft entwickeln. Nur: Statistiken beweisen nichts. Sie können allenfalls auf etwas hin-weisen! Das gleiche gilt für qualitative Studien.(Auch zur qualitativen Methode findet sich einiges im Anhang)

 

 

Ablauf am 19./20.4.99 :

Zunächst stellt Wolfgang die Ergebnisse der bisherigen Frage-bogenaktionen vor – Diskussion darüber ?

Dann arbeiten wir in zwei Gruppen weiter. AG 1 entwickelt short-range Evaluierungsinstrumente (Mathilde B.) AG 2 kümmert sich um die Evaluation des Lehrerarbeitsplatzes aus der Sicht der Unterrichtsarbeiter/innen.

Die AG 2 sollte sich schon im Vorfeld auf ein Vorgehen einigen. Wenn es mehr in die quantitative Richtung geht, würden wir Fragebogen zu Arbeitszufriedenheit etc. auf uns selbst anwenden, in der Gruppendiskussion uns darüber austauschen und schließlich als Produkt einen Leitfaden für eine Kollegenbefragung zur Arbeitsplatzsituation an der BOS-Wirtschaft entwerfen.

 

Würden wir Vorgehen 2 wählen, ging es "gruppendynamischer" zu. Wir würden bei unseren gegenwärtigen Erfahrung an der BOS anfangen (eventuell mit selbstproduzierten Texten, an-schließender Gruppendrunde mit feed-back), wir würden dann diese Erfahrungen verallgemeinern und einordnen, um schließlich bei Vorschlägen zur Verbesserung der Arbeitsplatzsituation zu landen. Wichtig wäre bei diesem Produkt, wer denn Adressat und wer Subjekt dieser Forderungen/Vorschläge ist. Ich könnte mir vorstellen beim Vorgehen 2 nach der "Selbstbefragung" (z.B. Schreibt in den nächsten 30 Minuten alles auf, was euch zu dem Thema "Ich ... – Lehrer/in an der BOS für Wirtschaft" einfällt ! )eine geleiteten Gruppendiskussion durchzuführen über einen kurzen Auszug aus R.Gutte, Lehrer – ein Beruf auf dem Prüfstand, rororo 1994,(z.B. S.27-33: Weltmeister im Verwechseln. Lehrerurteile über den eigenen Beruf) . Die Ergebnisse könnten visualisiert werden und Anstoß für das weitere Vorgehen sein : Schwerpunktbildung, Auswertung etc.

Schließlich würde ich am 20.4. entweder mit Brain-storming über Verbesserungs/Veränderungswünsche oder mit Meta-Plan-Technik: Was soll besser/anders an der BOS werden ? auf das Arbeitsgruppenergebnis hinarbeiten. Ob dieses dann in Form einer Liste oder in lockerer Form präsentiert wird, sehen wir noch. Letztlich soll aber auch dieses Ergebnis dem Kollegium präsentiert werden (s. Vorgehen 1) und dort als Anstoß für die weitere Schulentwicklung dienen.

Im Anhang füge ich neben dem im Text schon angekündigten Material noch Auszüge aus R.Miller, Sich in der Schule wohlfühlen (Beltz,1990) und ders., Lehrer lernen(Beltz, 1987) bei, die m.E. eine gute Vorbereitung und Einstimmung auf die pädagogische Konferenz am 19./20.4. sein könnten.

 

zum AG00063_.gif (13191 Byte) Stichwörter-Glossar